Dietmar Schöning, Vorsitzender der FDP-Fraktion im Tübinger Gemeinderat

Und wenn die Zahlen doch steigen?

Vorweggeschickt, um Missverständnissen keinen Raum zu geben: Die Stadt Tübingen leistet seit langem viel zum Aufbau einer bedarfsgerechten Kinderbetreuungs-Infrastruktur. Mit den Angeboten sowohl für Kinder im Alter von über wie auch von unter drei Jahren steht die Stadt im Vergleich der Städte des Landes ganz vorn. Die Gewährleistung des Rechtsanspruchs auf einen Betreuungsplatz schien bei uns kein Problem zu sein.

Ebenfalls vorweggeschickt, damit niemand sich ungerecht behandelt fühlt: Mit dem Sofortprogramm zur Schaffung von 19 zusätzlichen Gruppen nimmt die Stadt noch einmal alle Kräfte zusammen, um auf das seit 2015 zu verzeichnende starke Anwachsen der Kinderzahlen zu reagieren; 290 Plätze zusätzlich – 90 in 2018, 150 in 2019 und 50 in 2020. Durch schon längerfristig geplante Maßnahmen (Güterbahnhof, Hagelloch, freie Träger) kommen weitere Plätze hinzu.

Das ist dringend erforderlich, um dem wachsenden Bedarf zu entsprechen – der Zuzug ins attraktive Tübingen spielt dabei eine Rolle, ebenso die Tatsache, dass Kinder der geburtenstarken Jahrgänge der frühen 90er Jahre jetzt selbst wieder Kinder bekommen; die Flüchtlingsbewegung kommt hinzu, und schließlich steigt auch die Geburtenrate wieder kontinuierlich an. Für 2018 und 2019 hat die Stadt das ihr Mögliche auf den Weg gebracht.

Der Blick auf 2020 aber bereitet mir Sorgen: Die Prognose der Stadtverwaltung geht davon aus, dass die Zahl der Kleinkinder bis dahin schon wieder sinkt, und auf dieser Basis ergibt sich gleichwohl ein Defizit von 39 Plätzen oder vier Gruppen. Und bei den Drei- bis Sechsjährigen fehlen, gemessen an den Bedarfsrichtwerten, ebenfalls vier Gruppen.

Nun kann man sich immer damit trösten, dass die angenommenen Bedarfsrichtwerte vielleicht doch nicht ausgeschöpft werden, dass es möglich ist, auf Engpässe für wenige Wochen auch einmal mit einer Überbelegung um ein, maximal zwei Kinder zu reagieren. Eine auch in den einzelnen Planungsgebieten „richtige“ Platzzahl setzt solchen Überlegungen aber ebenso Grenzen wie die Anforderungen gelingender Inklusion in den Gruppen. Vor allem aber – und darauf müssen wir vorbereitet sein – brauchen wir zusätzliche Maßnahmen, wenn die Geburtenzahlen eben nicht sinken, sondern weiter steigen. Sich darauf jetzt vorzubereiten ist angesichts der Vorlaufzeiten, bis neue Gruppen stehen, heute schon Pflicht der Sozial- wie der Bauverwaltung

Dietmar Schöning

Vorsitzender der FDP-Gemeinderatsfraktion

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