Dietmar Schöning, Vorsitzender der FDP-Fraktion im Tübinger Gemeinderat

Prognosen der Schülerzahl

Die von der Stadtverwaltung prognostizierte Schülerzahlentwicklung lässt es wahrscheinlich erscheinen, dass wir im Bereich der weiterführenden Schulen, und zwar voraussichtlich im gymnasialen Bereich, ab dem Schuljahr 2023/24 und dann weiter ansteigend bis 2026/27 soviel zusätzliche Schüler zu verzeichnen haben, dass vier zusätzliche Züge, also ein ganzes zusätzliches Gymnasium, erforderlich werden.

Das Modell geht davon aus, dass unverändert 175 auswärtige Schüler je Jahrgang die Schulen der Stadt besuchen. Das kann so sein, es kann aber auch sein, dass mit dem Abschluss des Ausbaus der weiterführenden Schulen in den Kreisgemeinden sich leichte, die Stadt entlastende Verschiebungen ergeben.

Die Verteilung der Fünftklässler auf Gymnasien und Gemeinschaftsschulen wird im Modell mit dem gegenwärtigen Wert von 74/26 Prozent angenommen. Auch das kann so sein, es kann aber auch sein, dass die Gemeinschaftsschulen doch mehr Boden unter die Füße bekommen und zumindest graduell mehr Schüler aufnehmen

Abweichungen zwischen Prognose und Realität viel zu groß

Und schließlich weist das Prognosemodell selbst offenkundig Schwächen auf, weil nicht schlüssig erklärt werden konnte, warum zwischen prognostizierten Werten und der Realität erhebliche Abweichungen auftreten (z.B. real 608 Tübinger Fünftklässler 2017/18 statt der prognostizierten 683). Und diese Abweichungen sind offenbar System.

Dies alles zusammen legt es nahe, im Sinne einer Sensitivitätsanalyse abzuschätzen, welche Veränderungen des Gesamtergebnisses sich schon bei kleinen Veränderungen der Annahmen und Eingangsdaten ergeben. Wenn leicht zurückgehende Auswärtigenzahlen das Modell insgesamt entlasten, wenn die Lücke zwischen Prognose und Realität eine ähnliche Wirkung hat, und wenn eine leicht höhere Belegung der Gemeinschaftsschulen entlastend auf die Gymnasien wirkt (was keine Baumaßnahmen erfordern würde), dann wäre vor allem Zeit gewonnen, weil zusätzliche gymnasiale Züge nicht schon 2023, sondern erst 2026 erforderlich wären.

Ich behaupte nicht, dass das so ist. Aber ich mahne an, dass eine gründliche Analyse dies präzise untersuchen muss. Die gewonnene Zeit wäre auch aus einem anderen Grund hochwillkommene: ein neues Gymnasium ist nicht zuletzt auch ein wichtiges Stadtentwicklungsprojekt, und die Frage, in welche Entwicklungsprozesse eine neue Schule mit über 1000 Schülern integriert werden soll, lässt sich nicht übers Knie brechen.

Dietmar Schöning

Vorsitzender der FDP-Fraktion im Gemeinderat Tübingen



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