Migrationshintergründe (Kreisecke vom 7. August 2018)

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Kurze Meldungen über die jüngste Entwicklung der Anzahl von Menschen mit Migrationshintergrund – insgesamt weiter steigende Zahlen; ein umso höherer Anteil an der Gesamtbevölkerung, je größer die Kommunen sind – bedürfen ergänzender Information und Interpretation, um nicht allzu sehr Anlass für Missverständnisse zu bieten.

Einen Migrationshintergrund hat, so die amtliche Definition, wer selbst mit einer ausländischen Staatsangehörigkeit nach Deutschland zugewandert ist oder mindestens ein Elternteil hat, bei dem dies zutrifft. Das sind also Ausländer, Eingebürgerte, (Spät-)Aussiedler, und eben die Kinder dieser drei Gruppen.

In unsere Alltagserfahrung übersetzt finden wir also unter dieser Überschrift

  • Menschen, die schon vor langer Zeit zum Beispiel aus Italien, Griechenland und der Türkei zugewandert sind,
  • Menschen, die während und nach dem Zerfall des früheren sowjetischen Machtbereichs zu uns gekommen sind, eine Vielzahl davon als Spätaussiedler,
  • Menschen, die im Zuge der garantierten Arbeitsnehmerfreizügigkeit aus anderen EU-Staaten gekommen sind,
  • Menschen, die aus allen Ländern der Welt in Unternehmen und Forschungseinrichtungen in Deutschland arbeiten,

und eben deren Kinder, sehr viele ohne eigene Migrationserfahrung. Und seit 2015 sind viele Flüchtlinge hinzukommen.

Die Beschreibung zeigt, dass wir uns hüten sollten, Menschen mit Migrationshintergrund pauschal als Problemfälle anzusehen. Es gibt Unterschiede bei Bildungsabschlüssen, Erwerbsbeteiligung und Erwerbseinkommen. Aber diese Unterschiede verschwinden, wenn man diejenigen betrachtet, die die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen. Und annähernd 60% der Personen mit Migrationshintergrund sind deutsche Staatsbürger.

Zentral für die Gewährung und Nutzung von Chancen in unserer Gesellschaft ist das Bildungswesen. Frühe Förderung in Kindergarten und Schule, zuallererst eine alltagsintegrierte Förderung der Sprachkompetenz, kann maßgeblich dazu beitragen, Chancengleichheit zu verwirklichen.

Die Integration von Flüchtlingen stellt unsere Gesellschaft vor zusätzliche Herausforderungen, die nicht nur mit der Förderung der Integration durch Sprache, Bildung, Ausbildung und Arbeit zu tun hat, sondern auch mit der Bereitschaft, sich als Flüchtling auf die sie aufnehmende Gesellschaft einzulassen, als eine vielfältige, respektvolle und tolerante Gesellschaft eines gelebten Grundgesetzes.

Dietmar Schöning
Vorsitzender der FDP im Kreistag