Dietmar Schöning, Vorsitzender der FDP-Fraktion im Tübinger Gemeinderat

Region und Stadt verknüpfen

Im Beteiligungsprozess zum Projekt Regionalstadtbahn kann man sehr unterschiedlich vorgehen: Man kann – zweifellos legitim – anfangen aufzuzählen, was einem daran gefällt oder missfällt. Oder man kann systematisch zu Werk gehen, fragen, was das Projekt erreichen soll, ob  es dies wahrscheinlich auch erreichen kann, und ob es dazu realistische Alternativen gibt.

Rund dreißigtausend Personen, die täglich weit überwiegend per PKW nach Tübingen einpendeln, stehen für ein nicht ganz einfach zu lösendes Problem. Die Luftqualität (gesundheitliche Risiken, Klimagefährdung) ließe sich deutlich verbessern, die individuellen und gesamtwirtschaftlichen Verluste durch Staus entsprechend verringern, wenn es gelingt, nennenswerte Anteile dieses Verkehrs auf den öffentlichen Verkehr zu verlagern. Und diese Aspekte betreffen eben zentral uns, hier in Tübingen: es ist unser Stau und unsere Luft, um die wir uns kümmern müssen.

Exakt berechnen lässt sich nicht, wieviele Verlagerungsfälle auf ein Stadtbahnsystem es geben würde; aber es gibt seriöse Abschätzungen und Erfahrungswerte aus anderen Städten. Eine wesentliche Rolle spielen der Komfort (kein Stau, Umsteigefreiheit), die Zuverlässigkeit und die Berechenbarkeit (dichter Takt, zügiges Fahren) der Regionalstadtbahn. Die Abschätzungen in den standardisierten Bewertungen für neue Strecken sind fast immer sehr zurückhaltend, die praktischen Erfahrungen dann umso besser. Karlsruhe mit der Versiebenfachung des Verkehrs auf einer Stadtbahnlinie ist ein herausragendes Beispiel, hier sicher nicht wiederholbar.

Einzelne Aspekte dieses Szenarios ließen sich auch mit anderen Mitteln erreichen ((beispielsweise Elektro-, Wasserstoff-, Brennstoffzell-Busse); das gesamte Paket aber nicht.

Ein Zwischenfazit: wer zu der engen Verknüpfung von Stadt und Region durch die Regionalstadtbahn nein sagt, sollte eine konkrete Alternative anbieten können, die jetzt auf den Weg gebracht werden kann, nicht abstrakt, nicht in den Denkstuben verschiedener Firmen und Institute, sondern ganz praktisch jetzt, für einen ersten Umsetzungsschritt in fünf, spätestens zehn Jahren. Lasst uns darüber diskutieren, gern auch per Mail: dietmar.schoening@fdp-tuebingen.de.

Dietmar Schöning
Vorsitzender der Kreistags-FDP

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