Dietmar Schöning, Vorsitzender der FDP-Fraktion im Tübinger Gemeinderat

Baulandentwicklung

Dass der Gemeinderat das Baulandentwicklungsprogramm (unter Zurückstellung der das Erbbaurecht betreffenden Teile) in der Woche vor Weihnachten einstimmig beschlossen hat, liegt wohl vor allem darin begründet, dass auf allen Seiten die Erkenntnis da war, dass mehr Wohnraum vor allem für diejenigen Teile der Bevölkerung geschaffen werden muss, die es schwer haben, auf dem freien Markt ein passendes Angebot bezahlbaren Wohnraums zu finden.

Was kostet das Wohnen in Tübingen?

Präzise Angaben zum Tübinger Mietniveau sind schwer zu finden: die ortsübliche Vergleichsmiete, also die durchschnittliche Miete aus neuen Verträgen der letzten vier Jahre, liegt bei 9,10 Euro je Quadratmeter, die Mieten in den Beständen der GWG oder der Kreisbau (auch unter Einbezug derer, bei denen die Preisbindung ausgelaufen ist) bei 6,50 Euro, der Durchschnitt aller Mietverhältnisse dürfte danach bei 8 bis 8,50 Euro liegen. Die durchschnittliche Angebotskaltmiete liegt verschiedenen Untersuchungen zufolge bei etwa 11,50 Euro – alles überdurchschnittlich, aber nicht katastrophal. Wer aber eine neue Wohnung finden muss, weil sich die Familie vergrößert, oder neu nach Tübingen kommt, der hat es sehr schwer, auch weil der Zuzug nach Tübingen so stark ist.

Auch preiswerte Wohnungen müssen geschaffen werde

Deshalb ist es nötig, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, weit mehr Wohnungen zu schaffen, die für 7, 8 oder auch 9 Euro vermietet werden, und die auch längerfristig preisgebunden sind. 30 Prozent eines mittleren Einkommens für die Miete einzusetzen, kann noch als angemessen angesehen werden; mehr darf es aber kaum sein. Und damit sich das auch bemerkbar macht, muss ein größerer Teil der 3.000 – 5.000 neuen Wohnungen, von denen die Stadtverwaltung für die nächsten 10 Jahre ausgeht, mietpreisgebunden sein, in den unterschiedlichen Formen zusammen deutlich mehr als 25 Prozent. Dazu kommen verschiedenste andere Formen, Genossenschaften z.B. und die Baugruppen als ebenfalls nach sozialen Kriterien geförderte Eigentumsmaßnahmen. Und vergessen wir das studentische Wohnen nicht, bei dem vor allem das Land in der Pflicht ist.

Frei finanziert aber wird auch in Zukunft ein erheblicher Teil der Neubauten sein – die Stadtverwaltung rechnet mit über 50 Prozent der genannten 3.000 bis 5.000 Wohnungen. Zwischen 2012 und 2017, sagt die Verwaltung, wurden 1.991 Wohnungen neu errichtet, 168 davon sozial gefördert. Dieses Missverhältnis muss ein Ende haben.

Dietmar Schöning

Vorsitzender der FDP-Fraktion im Tübinger Gemeinderat

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